Für den Dokumentarfilm „Hinter dem Meer – Rückkehr zu den Mangyan“ hat Regisseur Gernot Stadler die Kärntnerin Veronika Avila-Miranda auf ihrer Reise zum Stamm der Hananoo-Mangyan auf der philippinischen Insel Mindoro begleitet. Vor mittlerweile 20 Jahren hatte Avila-Miranda als Ethnologie-Studentin an einem Forschungsprojekt der Universität Zürich über die Ureinwohner Mindoros  mitgearbeitet und insgesamt rund
zwei Jahre mit den Mangyan gelebt. 
Zu den Mangyan zurückzukehren war ein lange gehegter Wunsch, den sich die Praxisforscherin im Winter 2007 nun endlich erfüllt hat.

Doch die Rückkehr nach so langer Zeit war auch ein Aufbruch ins Ungewisse. Was war aus den Freunden und Bekannten von damals geworden? Wer war noch am Leben? Würde sie im Dorf wieder aufgenommen werden? Und vor allem: wie hatte sich das Leben der Mangyan verändert? Begleitet wurde Avila-Miranda auf ihrer Reise von dem österreichischen Fotografen Kurt Hörbst, der den Alltag der Mangyan in verschiedenen Fotoreportagen festgehalten hat.

Auch der Film zeigt das Leben der Mangyan, die tägliche Arbeit rund um die Hütte oder auf dem Feld, das gesellige Beisammensein nach Sonnenuntergang oder die Sorge um ausrechendes Essen für die oft zehnköpfigen Familien. Im Mittelpunkt steht dabei das von dem holländischen Missionar Antoon Postma vor über 40 Jahren gegründete Dorf Panaytayan, an den Ausläufern der Berge von Central Mindoro. Gerade hier werden die Einflüsse der westlich geprägten Tieflandkultur am deutlichsten spürbar, gleichzeitig aber auch die Vorbehalte gegen die Tiefländer, die die Mangyan im Laufe der

Geschichte immer weiter in die Berge, ins Hochland, zurückgedrängt haben. Viele Mangyan, wie zum Beispiel Igoy, ein etwa 70 Jahre alter Bauer, beklagen auch den spürbaren Verlust von althergebrachten Traditionen.
Kaum ein Mädchen oder Junge, sagt er, kennt noch die für die Mangyan typischen Sprechgesänge – die Ambahans. Doch auch anderen Neuerungen, wie der Dorfschule oder der christlichen Religion, die Antoon Postma zu den Hananoo-Mangyan gebracht hat, steht die ältere Generation skeptisch gegenüber.

Dass viele Veränderungen aber nur äußerlich sind, zeigt ein der Besuch in abgelegenen Weilern, in denen Veronika Avila-Miranda vor über 20 Jahren gelebt und geforscht hat. Kaum eine Hütte steht mehr dort, wo sie gestanden hat, Taifune haben die Dörfer immer wieder zerstört. Doch das Leben verläuft in seinen gewohnten Bahnen: der Wald rund um das Dorf wird gelichtet, um Früchte anzubauen, Trockenfisch wird aus dem Tiefland geholt. Da und dort laufen magere Hühner und Schweine herum, doch wenn Gäste zu Besuch kommen, wird das Wenige selbstverständlich geteilt. Die Älteren
tragen den traditionellen Lendenschurz, viele junge Mädchen aber bereits die Kleidung der Tiefländer – bunte T-Shirts und Jeans. Erkennbar wird hier auch das Bedürfnis der jüngeren Mangyanen, nicht als rückständige Ureinwohner wahrgenommen zu werden.

So ist der Film auch die Bestandsaufnahme
einer Kultur im Spannungsfeld zwischen westlichen Einflüssen und dem Bedürfnis, den eigenen Lebensraum zu schützen und die eigene
Identität zu bewahren.

Länge: 52 Min.
Format: 16:9, Stereo
Buch, Kamera, Regie: Gernot Stadler
Kameraassistenz & Ton: Dietmar Kaltenhofer

Sendetermine:
20.11.2007, 22.30, ORF 2 „Kreuz & Quer“
25.12.2007, 3sat, 21.30